Matthias Haun

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Kunstpreis Eisenturm Mainz, 2008

 

Seit über 30 Jahren fördert der Kunstverein

Eisenturm zeitgenössische und historische

Kunst. In Deutschland ist er der einzige auf ehrenamtlicher Basis geführte Kunstverein,

der einen bundesweit ausgeschriebenen

Kunstpreis ausrichtet. Und das mit Erfolg:

Bereits zum 23. Mal wurde der Mainzer

Kunstpreis Eisenturm verliehen. Allein in

diesem Jahr gingen 779 Bewerbungen von

Künstlerinnen und Künstlern zu dem Thema

„Fragment“ ein.

Als beste Arbeit konnte Matthias Haun aus

Bremen mit der digital bearbeiteten Fotografie

„Terrassen“ die Jury überzeugen. Der erste Preis

ist mit 5.000€ dotiert, gestiftet von der Mainzer

Volksbank

 

 

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VITA

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Aus der Jurybegründung

 

Eine Nachtszenerie mit vertikalen Wohnwelten entpuppt sich bei näherem Betrachten als mediterrane Terrassenarchitektur. Es ist ein intensives, verweilendes Sehen notwendig - der Bildinhalt sperrt sich gegenüber einem schnellen Konsumieren. Die Architekturlinien geben sich erst nach und nach in einem fahlen Licht zu erkennen. Das Bild ist zwar von der Natur genommen, doch dann digital bearbeitet worden. Wie zufällig konstruieren drei Lichtinseln die Bildtiefe und Bildkomposition. Drei Terrassen fungieren als Fragmente des Bewohnten - nur eine Insel ist mit einem Paar belebt - Fragment/Pars pro toto für alle Bewohner. Urlaubs-Atmosphäre macht sich breit. Bei Tageslicht ist sicher das nahe Meer zu sehen.Während auf zwei beleuchteten, von Menschen verlassenen Terrassen die Lichtquelle glaubwürdig unter den Dachaufbauten vermutet werden kann - schöpft das Lichtfragment auf der Terrasse mit dem Urlaubs-Paar seine Kraft aus einer imaginären Quelle. Drei behauste Terrassen, lebendige Fragmente in Licht getaucht, sind von schlafender Architektur umgeben. Von Fotografien erwarten wir objektive Darstellungen; was fotografiert ist, entspricht der Realität. Wenn es aber, wie bei den Terrassen, unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten gibt, fehlen eindeutige Erklärungsmuster und es entsteht eine neue Sehweise, die die Fotografie nicht zuerst als Nachricht, sondern als Bild begreift.

 

 

 

Auf der Suche nach sinnbildhaften Aussagen mag man an gesellschaftliche Parzellierung denken, an Vereinsamung in anonymem Umfeld, man mag an Architektur-Konglomerate denken, die man sehr gerne - wie hier - nur als Schattengebilde wahrnimmt/wahrnehmen muss. Die Licht-Zelle mit einem Paar, das eine laue Sommernacht genießt, figuriert hier als Fragment menschlicher Wärme/allgemein: Kommunikation - und dies innerhalb eines gebauten Umfeldes, das trotz seiner Bildbegrenztheit für jeden Betrachter nachvollziehbar über sich hinaus verweist, verweist vielleicht auf unwirtliche Stadtgebilde, wie sie nicht nur in mediterranen Gefilden oft anzutreffen sind.

Der Bildausschnitt sieht sich transformiert in das Fragment einer grenzüberschreitenden und ausmessbaren Architektur, die in ihrer Erstreckung über die Grenzen des Bildes hinaus reicht und ohne sichtbare Grenzen ist. Fragment? Zweifelsohne - doch als Kunstwerk auch ‘in sich selbst vollendet’.

 

Dr. Otto Martin, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, Vorsitzender der Jury